Frauen in der Wirtschaft: DACH-Trends mit Fokus Ostschweiz

Allgemein, Bewerber, Unternehmer

In unserem Blogbeitrag beleuchten wir aktuelle Entwicklungen rund um Frauen in Fach- und Führungsrollen, regionale Besonderheiten in der Ostschweiz sowie konkrete Schritte für Unternehmen und Kandidatinnen.

 

Frauen prägen die Wirtschaft im DACH-Raum heute so stark wie nie zuvor – und gleichzeitig ist noch viel Potenzial ungenutzt. In vielen Unternehmen sind qualifizierte Frauen in Fach- und Führungspositionen unverzichtbar, treiben Innovation voran, stärken Teams und bringen neue Perspektiven in Veränderungsprozesse ein. Dennoch zeigen sich in der Praxis weiterhin bekannte Muster: Frauen sind in gewissen Branchen unterrepräsentiert, steigen seltener in Top-Führungsrollen auf und unterbrechen ihre Erwerbsbiografie häufiger aufgrund von Care-Arbeit oder fehlender Flexibilität im Arbeitsumfeld.

Gerade für Unternehmen wird dieses Thema zunehmend strategisch. Der Fachkräftemangel, der demografische Wandel und der steigende Bedarf an belastbaren Führungspersönlichkeiten machen deutlich: Wer weibliche Talente nicht gezielt gewinnt, entwickelt und bindet, verzichtet auf einen wesentlichen Teil des Arbeitsmarktes.


Auch in der Ostschweiz ist diese Entwicklung deutlich spürbar. Die Region verfügt über einen starken industriellen Kern, innovative KMU, international tätige Unternehmen und einen vielseitigen Dienstleistungssektor. Gleichzeitig bietet sie sehr gute Voraussetzungen, um Frauen in der Wirtschaft gezielt zu fördern – durch überschaubare Netzwerke, hohe Bildungsqualität, praxisnahe Unternehmen und einen wachsenden Fokus auf moderne Arbeitsmodelle.


In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Trends in der DACH-Region, beleuchten die Besonderheiten der Ostschweiz und zeigen auf, welche konkreten Schritte Unternehmen und Kandidatinnen heute setzen können.


DACH-Überblick: Beteiligung, Führungsrollen und Branchenverteilung – wo wir stehen

Im deutschsprachigen Raum ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen in den vergangenen Jahren insgesamt gestiegen. Immer mehr Frauen sind gut ausgebildet, übernehmen verantwortungsvolle Aufgaben und sind in qualifizierten Berufen präsent. Besonders sichtbar ist dieser Fortschritt in Bereichen wie Finanzen, HR, Marketing, Gesundheit, Bildung, Verwaltung, Beratung und Teilen der Technologiebranche.

Gleichzeitig bleibt die Verteilung über Hierarchiestufen und Branchen hinweg unausgewogen. Während Frauen in vielen Fachfunktionen stark vertreten sind, nimmt ihre Präsenz mit steigender Führungsebene oft ab. In der mittleren Führung ist die Entwicklung häufig positiv, auf Geschäftsleitungs- und Verwaltungsratsebene ist der Anteil vielerorts jedoch noch deutlich tiefer als wünschenswert.

Ein weiteres typisches Merkmal im DACH-Raum ist die unterschiedliche Verteilung nach Branche. Frauen sind nach wie vor häufiger in Dienstleistungs- und administrativen Bereichen vertreten, während Industrie, Technik, Produktion, Logistik oder IT in vielen Unternehmen noch männlich geprägt sind. Gerade dort liegt aber enormes Potenzial – sowohl für Arbeitgeber als auch für Kandidatinnen.

Hinzu kommt, dass Teilzeitarbeit im DACH-Raum unterschiedlich bewertet wird. Sie ist für viele Frauen ein wichtiges Instrument zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, wird aber noch nicht überall als vollwertiges Karriereformat verstanden. Das führt dazu, dass qualifizierte Fachkräfte zwar im Arbeitsmarkt bleiben, ihr Potenzial jedoch nicht in jenem Ausmass genutzt wird, wie es möglich wäre.

Der Trend ist dennoch klar: Unternehmen, die Diversität ernst nehmen, berichten zunehmend von besseren Entscheidungen, höherer Innovationskraft und attraktiverem Employer Branding. Frauen in der Wirtschaft sind kein Randthema mehr – sie sind ein zentraler Erfolgsfaktor.

Ostschweiz im Fokus: regionale Besonderheiten, Chancenfelder und Talentpool

Die Ostschweiz bringt besondere Voraussetzungen mit, wenn es um Frauen in der Wirtschaft geht. Die Region ist geprägt von einer Mischung aus starken KMU, industriellen Unternehmen, Gesundheits- und Bildungsinstitutionen sowie international ausgerichteten Betrieben. Diese Vielfalt eröffnet Frauen zahlreiche Karrierewege, von der Fachlaufbahn über Projekt- und Linienführung bis hin zu spezialisierten Interim-Mandaten.

Besonders interessant ist die Ostschweiz dort, wo technisches Know-how, unternehmerisches Denken und Nähe zum Markt zusammenkommen. Viele Unternehmen suchen nicht nur klassische Führungskräfte, sondern Persönlichkeiten, die Verantwortung übernehmen, Teams entwickeln und Veränderungen begleiten können. Gerade Frauen mit breiter Erfahrung, hoher Sozialkompetenz und klarem Umsetzungsfokus sind hier gefragt.

Die Region punktet zudem mit einer hohen Lebensqualität, kurzen Wegen und vergleichsweise eng vernetzten Wirtschaftsstrukturen. Das kann ein Vorteil sein: Kontakte entstehen oft direkter, Empfehlungen spielen eine wichtige Rolle und Karrieren entwickeln sich nicht nur über formale Bewerbungen, sondern auch über Gespräche, Netzwerke und gezielte Ansprache.

Gleichzeitig ist die Ostschweiz kein Selbstläufer. In klassischen Industrie- und Produktionsumfeldern wirken traditionelle Rollenbilder teils stärker nach als in urbanen Zentren. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen ihre Arbeitgeberpositionierung bewusst weiterentwickeln und Frauen nicht nur ansprechen, sondern auch langfristig fördern.

Ein grosser Hebel liegt dabei im regionalen Talentpool: qualifizierte Wiedereinsteigerinnen, erfahrene Spezialistinnen, Frauen mit Führungspotenzial sowie Kandidatinnen, die offen für neue Perspektiven sind, sich aber nicht aktiv auf jede offene Stelle bewerben. Wer diesen Talentpool systematisch erschliesst, verschafft sich einen echten Wettbewerbsvorteil.

Treiber des Fortschritts: Politik, Kulturwandel, Netzwerke und flexible Arbeitsmodelle

Fortschritt entsteht selten durch einen einzelnen Faktor. Vielmehr wirken mehrere Entwicklungen zusammen. In der DACH-Region sind es insbesondere vier Treiber, die Frauen in der Wirtschaft stärken.

1. politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen

Themen wie Gleichstellung, Transparenz, Vereinbarkeit und Diversität sind in Unternehmen deutlich präsenter als noch vor einigen Jahren. Das erhöht den Druck, aber auch die Bereitschaft, Strukturen zu überprüfen.

2. Kulturwandel in den Unternehmen

Moderne Führung wird zunehmend weniger an Präsenz und mehr an Wirkung, Verantwortung und Teamfähigkeit gemessen. Das kommt vielen Frauen entgegen – nicht, weil sie „anders führen müssen“, sondern weil Führung insgesamt vielfältiger verstanden wird.

3. Netzwerke und Sichtbarkeit

Frauen profitieren stark von professionellen Netzwerken, Mentorinnen und Mentoren, Sparring-Partnern und Plattformen, auf denen Leistung sichtbar wird. Gerade in regionalen Wirtschaftsräumen wie der Ostschweiz können solche Netzwerke entscheidend sein.

4. flexible Arbeitsmodelle

Hybrides Arbeiten, Jobsharing, Teilzeit in Fach- und Führungsfunktionen oder projektbasierte Einsätze im Interim Management erweitern die Möglichkeiten erheblich. Unternehmen, die hier pragmatisch und vertrauensvoll handeln, gewinnen Zugang zu einem grösseren Bewerberinnenmarkt.

Hürden abbauen: Bias, Vereinbarkeit, Teilzeitkarrieren und Karriere-Rückkehrpfade

Trotz positiver Entwicklungen bestehen weiterhin Hürden. Eine der grössten ist der unbewusste Bias im Recruiting und in internen Beförderungsprozessen. Frauen werden bei identischem Profil teilweise anders wahrgenommen – etwa als weniger durchsetzungsstark, weniger verfügbar oder weniger langfristig planbar. Solche Denkmuster wirken oft subtil, aber stark.

Ein weiteres Thema ist die Vereinbarkeit. Noch immer liegt ein grosser Teil der familiären Organisations- und Betreuungsarbeit bei Frauen. Unternehmen, die hier keine flexiblen Rahmenbedingungen bieten, verlieren wertvolle Talente oder schränken deren Entwicklungsmöglichkeiten ein.

Auch Teilzeitkarrieren sind in vielen Firmen noch nicht ausreichend etabliert. Teilzeit wird zwar akzeptiert, aber nicht konsequent mit Entwicklung, Verantwortung und Führungsoptionen verbunden. Genau hier geht viel Potenzial verloren.

Schliesslich braucht es bessere Rückkehrpfade nach beruflichen Unterbrüchen. Wer nach einer Familienphase, einem Standortwechsel oder einer Neuorientierung wieder einsteigen möchte, bringt oft grosse Erfahrung und hohe Motivation mit. Unternehmen sollten diese Zielgruppe aktiv ansprechen, statt Lebensläufe nur linear zu bewerten.

Best Practices: erfolgreiche Ansätze und Initiativen aus der Ostschweiz und der DACH-Region

Erfolgreiche Unternehmen im DACH-Raum setzen heute weniger auf Symbolik und mehr auf konkrete Massnahmen. Dazu gehören:

- genderneutrale und realistische Stellenprofile
- strukturierte Auswahlprozesse mit klaren Bewertungskriterien
- gezielte Förderung weiblicher Nachwuchs- und Führungskräfte
- flexible Arbeitsmodelle auch in verantwortungsvollen Rollen
- transparente Entwicklungsperspektiven
- Rückkehrprogramme und individuelle Karrieregespräche
- projektbezogene Führungs- und Interim-Lösungen

In der Ostschweiz zeigt sich, dass besonders jene Unternehmen erfolgreich sind, die pragmatisch handeln: keine grossen Programme um ihrer selbst willen, sondern ehrliche Gespräche, passende Rollenmodelle und eine Führungskultur, die Leistung und Potenzial erkennt.

Auch Kooperationen mit sozialen und regionalen Initiativen, Bildungsinstitutionen und Netzwerken stärken die Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit eines Unternehmens. Wer Verantwortung übernimmt, zeigt nicht nur Haltung, sondern wird auch als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen.

Handlungsleitfaden: konkrete Schritte für Unternehmen und Kandidatinnen

Für Unternehmen

1. Recruiting breiter denken

Prüfen Sie, ob Anforderungsprofile wirklich zwingend oder historisch gewachsen sind. Viele Frauen bewerben sich selektiver als Männer. Ein fokussiertes, realistisches Stellenprofil erhöht die Trefferquote.

2. Karrieregespräche aktiv führen

Talente entwickeln sich oft dort, wo Potenzial früh erkannt wird. Regelmässige, ehrliche Karrieregespräche helfen, Ambitionen sichtbar zu machen und Entwicklungspfade zu gestalten.

3. Initiativ-Bewerbungen ernst nehmen

Nicht jede starke Kandidatin sucht aktiv. Wer Initiativ-Bewerbungen professionell behandelt, erschliesst Zugang zu einem verdeckten Talentmarkt.

4. Interim Management nutzen

Gerade in Transformationsphasen, bei Führungswechseln oder Projekten kann Interim Management eine wertvolle Lösung sein. Es schafft Stabilität, Tempo und Know-how – auch mit sehr erfahrenen Managerinnen.

Für Kandidatinnen

1. Sichtbarkeit schaffen

Warten Sie nicht nur auf die perfekte Ausschreibung. Netzwerke, Gespräche und eine gut platzierte Initiativ-Bewerbung können Türen öffnen.

2. Das Karrieregespräch suchen

Ob intern oder extern: Ein professionelles Karrieregespräch hilft, Ziele zu schärfen, Stärken einzuordnen und realistische nächste Schritte zu definieren.

3. Offen für neue Formate sein

Nicht jede Karriere verläuft linear. Teilzeitführung, Projektverantwortung oder Interim-Mandate können starke Entwicklungsschritte sein.

4. Erfahrung selbstbewusst positionieren

Kompetenz, Führungsstärke, Resilienz und Praxiserfahrung sind wertvoll – auch wenn der Lebenslauf nicht „geradlinig“ wirkt.

Fazit & wie Walser Personal unterstützt

Frauen in der Wirtschaft sind für die DACH-Region und besonders für die Ostschweiz ein entscheidender Erfolgsfaktor. Unternehmen, die weibliche Talente gezielt gewinnen und fördern, stärken ihre Zukunftsfähigkeit. Kandidatinnen, die ihre Möglichkeiten aktiv nutzen, können heute auf vielfältigere Karrierewege zugreifen als je zuvor.

Walser Personal begleitet beide Seiten dabei mit einem bodenständigen, wertschätzenden und professionellen Ansatz. Wir unterstützen Unternehmen bei der Stellenbesetzung, beraten Kandidatinnen und Führungskräfte im Karrieregespräch, prüfen Chancen über die Initiativ-Bewerbung und begleiten passende Lösungen im Interim Management.

Wenn Sie als Unternehmen qualifizierte Frauen für Schlüsselpositionen suchen oder als Kandidatin den nächsten Schritt gehen möchten, freuen wir uns auf den Austausch unter  oder